Jedes Abenteuer hat einen Anfang. Für das Jokerbüssli begann alles nicht auf einer Landstrasse, sondern an einem Montag im Frühling 1983 — in einer Fabrikhalle in Wolfsburg.
1983 — Geburt in Wolfsburg
Als die Produktionslinie in Wolfsburg anlief, war der Volkswagen T3 bereits seit vier Jahren der Liebling der Campingwelt. Doch dieser Bus hier sollte etwas Besonderes werden: ein Joker-Ausbau von Westfalia, versehen mit dem markanten Hochdach, das dem Bus seine charakteristische, fast feierliche Silhouette gab. Während andere T3 mit dem klappbaren Aufstelldach ausgeliefert wurden, thronte über diesem Exemplar eine feste, hochgewölbte Dachhaube — grosszügig, einladend, unverwechselbar.
In der Westfalia-Manufaktur in Rheda-Wiedenbrück verwandelte sich der nüchterne Transporter in ein rollendes Zuhause: eine kompakte Küche mit zwei Gasbrennern und einer kleinen Spüle, eine Kühlbox, Oberschränke aus hellem Eschenholz, eine Rückbank, die sich zur Liegefläche verwandelte — und oben, unterm Hochdach, ein zweites Bett für die Abenteuernächte unter Sternenhimmeln. Der braune Lack leuchtete warm, fast tabakfarben, und passte zu den beigen Polstern wie ein Massanzug.
Im Herbst 1983 rollte er vom Hof. Fertig. Bereit.
Vier Jahrzehnte — ein Besitzer
Was dann folgte, ist eine Geschichte, die man sich kaum ausdenken könnte: Fast vierzig Jahre blieb das Jokerbüssli in denselben Händen. Ein einziger Besitzer. Kein Gebrauchtwagenhandel, keine wechselnden Nummernschilder, keine fremden Schlüssel.
Er pflegte ihn, wie man ein Erbstück pflegt. Regelmässige Ölwechsel, aufmerksam überwachtes Kühlwasser — das Schreckgespenst jedes Wasserboxer-Besitzers. Die kleinen Eigenarten des Solex-Vergasers kannte er auswendig, den eigensinnigen Kaltstart im Winter, das zufriedene Brummen auf der Autobahn bei gemächlichen 100 km/h. Jede Sommerkampagne, jeder Stellplatz am See, jeder Morgen mit Kaffee aus dem kleinen Gaskocher — das Büssli war dabei.
Die Karosserie alterte mit Würde. Ein paar Kratzer hier, ein kleiner Rostanflug dort — aber der Bus lebte. Er war kein Schaufensterstück, er war ein Weggefährte.
2023 — Ein neues Kapitel
Dann, eines Tages, war es Zeit. Nach fast vier Jahrzehnten trennten sich Büssli und sein erster Besitzer. Und irgendwo — auf einem Inserat, bei einer Besichtigung, beim ersten Drücken des Startknopfs — begann das neue Kapitel.
Das Jokerbüssli kam zu mir.
Der Motor sprang an. Das Hochdach liess sich öffnen. Die Kühlbox summte. Die Holzschränkchen rochen nach alten Reisen. Und ich wusste: Das hier wird noch viele Abenteuer erleben.
Dies ist das erste davon — oder vielmehr: die Geschichte, die all den anderen vorausging. Die Grundlage. Der Anfang.
Willkommen, Jokerbüssli. Auf die nächsten vierzig Jahre.